Radtour BRD-TR

(GERMAN)

Im September 2014 bin ich zusammen mit Nils auf meine erste große Radtour aufgebrochen. Von Heidelberg nach Istanbul. Das Reisen per Velo hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich kann es jedem nur empfehlen so eine Tour mal zu machen.

Auf unserer Tour sind wir durch diverse Länder gefahren, beginnend mit Deutschland, Österreich, entlang der Donau durch die Slowakei und Ungarn bis Budapest. Größere Stops auf der Reise gab es nur in Wien und Budapest, obwohl Bratislava wirklich sehr reizvoll war, aber nach einigen Tagen in Wien einfach zu nah. Die Fahrt von Wien nach Bratislava dauerte knapp 1 1/2 Tage und wir waren passend zur Kaffeezeit in einem der schicken Hipster-Cafes in der Innenstadt. Ab Bratislava haben wir dann den 2. Teil der Donau kennengelernt, deutlich breiter, keine Berge mehr in Sicht und wenns dumm läuft bläst einem der Wind den ganzen Tag ins Gesicht.

In Budapest hat uns dann das Schnakenproblem an der Donau keinen Spaß mehr gemacht und wir wollten mehr von Rumänien sehen, weshalb wir quer durch Ungarns flache Landschaft gefahren sind und glücklicherweise keinen Gegenwind hatten. Im Rumänien haben wir leider nicht das beste Wetter gehabt, aber auf jeden Fall unglaublich viele gute Eindrücke gesammelt. Die Karpaten waren eins der vielen Highlights der Tour.

Angekommen in Rumänien wurden wir zunächst von deutlich mehr Straßenhunden verfolgt als vorher. In Ungarn gabs zwar auch Straßenhunde, aber in den entlegenen Gegenden in den wir gefahren sind, war davon nicht viel zu merken. Ab Rumänien wurden wir mehrfach von Hunden angegriffen. Beliebtes Ziel (da wir meistens auf dem Rad waren und die Hunde uns hinterhergerannt sind) waren unsere Satteltaschen, speziell Nils’ roter Packsack, da wir meistens so gefahren sind, dass ich vorne war (zumindest wenns nicht bergauf ging). Die längste Etappe haben wir ebenfalls in Rumänien gemacht, 170+ Kilometer nach Sibiu, wir sind am Schluss im Dunkeln gefahren, sehr unangenehm und gefährlich. Rückblickend hätte ich auf Nils hören sollen der lieber einen Stopp gemacht hätte.

In Sibiu (Hermannstadt) haben wir wieder eine Pause von 3-4 Tagen gemacht. Ich kannte die Stadt bereits, aber Nils hat eine ganz besondere Verbindung zur Stadt und auch zu Rumänien, weshalb wir eigentlich auch eine Bergwanderung in den Kaparten machen wollten. Da wir aber einen Tunnel zu durchqueren hatten der angeblich genau an dem Wochenende schließt, sind wir den berühmten Transfagarasan-Pass gefahren, der sich in unzähligen Serpentinen den Berg hochschlängelt. Nils war nicht ganz fit, etwas falsches im Essen oder einfach das miese Wetter, wir haben also noch 2 Tage in einer Pension am Fuße des Bergs ausgeharrt und auch auf besseres Wetter gewartet.

Bei einer kleinen Besorgungstour (die dann doch fast 80km lang war), wurde ich 10m vor unserer Haustür von einem Hund angegriffen der mir in die Wade gebissen hat. Glücklicherweise hatte ich lange Hosen an und er hat wohl auch nur gepackt, es gab keine Fleischwunde und man hat nur die deutlichen Zahnabdrücke und einige Schürfungen gesehen. Hat trotzdem geblutet und wir haben kurz überlegt ob wir zurück nach Sibiu fahren sollten um uns eine Tollwutimpfung geben zu lassen. Nach ein bisschen Wundreinigung und einer unnötigen Menge an Pflastern war dann aber alles gut und die Tour wurde am nächsten Tag fortgesetzt – ab jetzt mit einem Ast über der Fronttasche um direkt zurückzuschlagen (klingt brutal, aber war notwendig). Ab dem Moment war ich bei Hundebellen auch sehr sensibel.

Die Abfahrt war dann nochmal eine echte Herausforderung, da wir so unterkühlt waren und eben auch nicht so richtig viel gegessen hatten, dass es uns wirklich nicht gut ging. Ich musste einmal anhalten, weil mir schwarz vor Augen wurde und bei Nils war die Krankheitsschwäche deutlich merkbar, gerade als es dann darum ging noch eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Es war nämlich doch nicht so, dass es nur bergab ging, am Fuße des Berges, auf der Nordseite ist ein Staudamm und die Umfahrung ist entsprechen hügelig, nichts dramatisches, aber eben nach so einer Bergtour sehr kräftezehrend. Angekommen in einem Hotel waren wir einfach glücklich zu schlafen, auch wenn die 300 Fernsehsender ganz spannend aussahen.

Nach Bukarest war es dann recht angenehm, der erste Frost machte es zwar recht kalt, aber es war flach, die Straßen waren ok und man hatte genug Möglichkeiten zu zelten und einzukaufen. Die Wir wurden immer mal wieder von Traktoren überholt (oder umgekehrt) die von gefühlt unendlichen Feldern den Kohl abgeerntet haben.

Von Bukarest aus haben wir uns dann an der Temperatur orientiert und wollten unbedingt südlicher, weshalb wir spontan den Plan geändert haben und statt ans Donaudelta direkt nach Bulgarien gefahren sind. In Varna haben wir dann das Schwarze Meer erreicht und sind der Küste gefolgt.

Die Türkei haben wir über eine extrem schöne Bergstraße erreicht, auch wenn es mehr ein Kampf war, wenn es bergauf ging. Wir hatten die Türkei dann gar nicht so bergig eingeschätzt und waren von den unglaublich großen Hunden etwas eingeschüchtert, nachdem ich in Rumänien gebissen wurde. Die streunenden Hunde haben uns konsequent verfolgt und wir waren gezwungen uns zu verteidigen.

In Istanbul angekommen, hat uns Pauline, eine Freundin aus Weimar, mit einem Kurzbesuch überrascht. Istanbul war immer das genannte (Zwischen-)ziel und wir haben uns eine Woche Zeit genommen die Stadt anzuschauen, ausschließlich zu Fuß, da Istanbul definitiv nicht zu den fahrradfreundlichsten Städten gehört.

Aus Istanbul sind wir per Schiff, mit der Fähre nach Bandirma. Morgens sind wir mit dem Rad durch das fast ausgestorbene Istanbul gefahren, was ziemlich cool war. Von Bandirma sind wir nach Izmir, ebenfalls eine sehr schöne Strecke die trotzdem auch sehr bergig ist. Es gab eine Abfahrt bei der ich meine Höchstgeschwindigkeit erreicht habe, irgendwas über 60km/h, da mein Tacho keinen Speicher hat, musste ich bei der Geschwindigkeit draufgucken, was ziemlich gefährlich schien.

Nach Izmir haben wir Griechenland besucht, mit einer Fähre ging es erst nach Hios und anschließend via Fähre nach Athen, wo wir Charlotte und Lucile, zwei Französinnen aus Lyon getroffen haben, die fast dieselbe Strecke wie wir gefahren sind. Die beiden haben wir im Anschluss noch öfters getroffen, unter anderem auf der Fähre nach Italien. Von Patras in Griechenland ging es nach Ancona und von dort mit dem Zug nach Bologna. Wir hatten Glück und konnten mit den Rädern in den EC nach München einsteigen. Eigentlich ist das nur mit vorheriger Reservierung möglich, allerdings hat die Deutsche Bahn das so kompliziert gemacht, dass man ausschließlich in deutschen Reisezentren eine Fahrradreservierung für Fernfahrten im Ausland buchen kann (auch wenn es ein DB-Zug ist). Alles sehr kompliziert, wir haben dann einfach sehr nette Schaffner gehabt die uns sowohl ein Ticket für uns als auch für die Räder im Zug ausgestellt haben.

In München haben wir lauter Leute getroffen, war richtig gut, auch wenn wir mit München selbst sehr wenig anfangen konnten. Da es inzwischen Dezember war, sind wir mit der Regionalbahn nach Hause gefahren und hatten am Schluss einen Kilometerstand von 4.243 km.

Die Bilder sind mit zum Teil mit einer analogen Kamera aufgenommen, die ich noch eine Woche vor Abfahrt gekauft hab, da ich zu dem Zeitpunkt keine eigene Kamera besessen habe. Die Minox 35GT hat mir gute Dienste geleistet, der kleine Lichteinschluss am Bildrand markiert einige Bilder die mit ihr aufgenommen wurden. Nils hat mit einer Canon Digitalkamera fotografiert, was ganz praktisch war, da ich natürlich an Filmen begrenzt war und nicht willkürlich fotografieren wollte. Nils hat dafür viele schöne Momente eingefangen in denen meine Kamera wahrscheinlich zu lange gebraucht hätte oder ich einfach den falschen Film drin hatte.

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